Die unterschätzte Mathematik der Wiederkehrzeit
„Einmal in 100 Jahren“ klingt nach einem Risiko, das man getrost ignorieren kann. Über die Lebensdauer eines Hauses gerechnet sieht es anders aus: Bei 1 % pro Jahr liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein 100-jährliches Ereignis innerhalb von 30 Jahren mindestens einmal eintritt, bei rund 26 Prozent – etwa eins zu vier. Über 50 Jahre sind es rund 39 Prozent. Wer ein Haus baut oder kauft, trifft also mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann auf „das“ Ereignis.
Hinzu kommt: Die Wiederkehrzeit gilt je Ort und Dauerstufe. Ein 100-jährlicher Einstundenregen in München ist eine andere Regenmenge als in Hamburg – die amtlichen Werte für jede Gemeinde stehen in der KOSTRA-Tabelle der jeweiligen Gefahrenlagen-Seite.
Woher die Zahlen kommen
Grundlage ist der Datensatz KOSTRA-DWD-2020 („Koordinierte Starkniederschlagsregionalisierung und -auswertung“) des Deutschen Wetterdienstes: Er weist für jedes 5 × 5-km-Rasterfeld in Deutschland aus, welche Niederschlagshöhe für welche Dauerstufe (5 Minuten bis 7 Tage) und Wiederkehrzeit (1 bis 100 Jahre) statistisch zu erwarten ist. Kommunen bemessen damit Kanalnetze und Regenrückhalt; die Methodik hinter den Werten erklärt unsere Methodik-Seite.
Wichtig für die Einordnung: Die Statistik beschreibt, wie viel Regen fallen kann – nicht, wohin das Wasser fließt. Dafür braucht es Starkregengefahrenkarten, und für den Ernstfall eine Warnung, bevor das Wasser ankommt.
Häufige Fragen
Kann ein 100-jährliches Ereignis zweimal kurz hintereinander auftreten?
Ja. Die Ereignisse sind statistisch unabhängig – die 1-%-Wahrscheinlichkeit gilt jedes Jahr neu. Ein Ereignis im letzten Jahr senkt das Risiko für dieses Jahr nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Wiederkehrzeit und Jährlichkeit?
Beide Begriffe meinen dasselbe: Eine Wiederkehrzeit von 100 Jahren entspricht einer Jährlichkeit von T = 100 bzw. einer jährlichen Eintrittswahrscheinlichkeit von 1/T = 1 %.
Sind die KOSTRA-Werte wegen des Klimawandels noch gültig?
KOSTRA-DWD-2020 bildet die beobachtete Statistik bis zum Bezugszeitraum ab und weist erstmals je Rasterfeld eine eigene Unsicherheit aus. Künftige Klimaentwicklung deckt die Toleranz laut DWD ausdrücklich nicht ab – sie ist kein Sicherheitszuschlag.
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