Niedersachsen · Leine & Ihme · ca. 522.000 Einwohner · AGS 03241001

Starkregen, Hochwasser & Überflutung in Hannover

Hannover liegt an Leine und Ihme – verbunden durch den Schnellen Graben, der seit 1449 Leine-Wasser in die Ihme ableitet und dafür sorgt, dass die Ihme bei Hochwasser rund 90 % des gesamten Abflusses trägt. Das Jahrhunderthochwasser 1946 prägt den Hochwasserschutz der Stadt bis heute; mit der Starkregenauskunft simuliert Hannover zusätzlich die Gefahren aus der Fläche.

Datenstand: 2. September 2026 · Quellen: DWD (KOSTRA-2020, CatRaRE, WarnWetter), BKG, Destatis – Methodik

42,0 mm

Extremregen in 1 h

100-jährliches Ereignis

26,9 mm

Starkregen in 1 h

10-jährliches Ereignis

94,9 mm

Extremregen in 24 h

100-jährliches Ereignis

60,9 mm

Dauerregen in 24 h

10-jährliches Ereignis

Statistische Bemessungswerte nach KOSTRA-DWD-2020 für das Rasterfeld Hannover · örtliche Unsicherheit ±24 %

Ereigniskatalog · DWD CatRaRE W3 Eta v2026.01

Dokumentierte Starkregenereignisse in Hannover

Die Radarklimatologie des Deutschen Wetterdienstes erlaubt seit 2001 eine flächendeckende, gemeindescharfe Rekonstruktion von Starkregenereignissen. Für Hannover verzeichnet der Ereigniskatalog CatRaRE 6 Ereignisse mit Niederschlagsschwerpunkt im Gemeindegebiet (2006–2024); das stärkste erreichte 53,1 mm in 1 h am 22. Juni 2017 (SRI 8). Die Zuordnung gilt für die Rasterzelle des Niederschlagsmaximums – nicht für das gesamte Gemeindegebiet.

  1. 10. Juli 2024jüngstes

    40,4 mm in 1 h

    Wiederkehrzeit ca. 67 Jahre · betroffene Fläche 72 km²

    SRI 6 · außergewöhnlicher Starkregen
  2. 22. Juni 2017stärkstes

    53,1 mm in 1 h

    Wiederkehrzeit über 100 Jahre · betroffene Fläche 117 km²

    SRI 8 · extremer Starkregen
  3. 8. Oktober 2015

    63,3 mm in 9 h

    Wiederkehrzeit ca. 38 Jahre · betroffene Fläche 31 km²

    SRI 5 · außergewöhnlicher Starkregen
  4. 27. September 2007

    86,7 mm in 48 h

    Wiederkehrzeit ca. 20 Jahre · betroffene Fläche 187 km²

    SRI 4 · intensiver Starkregen
  5. 27. Juli 2006

    42,6 mm in 1 h

    Wiederkehrzeit ca. 95 Jahre · betroffene Fläche 14 km²

    SRI 6 · außergewöhnlicher Starkregen
  6. 25. Juni 2006

    56,2 mm in 4 h

    Wiederkehrzeit ca. 67 Jahre · betroffene Fläche 15 km²

    SRI 6 · außergewöhnlicher Starkregen

Quelle: DWD Open Data, CatRaRE W3 Eta v2026.01 (CC BY 4.0), radarbasiert auf RADKLIM-RW (1-km-Raster). Jedes Ereignis zählt für die Rasterzelle seines Niederschlagsmaximums – wie der Katalog entsteht und was der Starkregenindex misst.

Starkregen in Hannover

Ende Juli 2017 trafen Starkregen und Leine-Hochwasser die Stadt gleichzeitig: rund 40 Feuerwehreinsätze, ein teileingestürztes Dach in Wülfel, Sandsackverbau in der Leinemasch bei Ricklingen und Herrenhausen – der Pegel stieg auf etwa 5,73 m, Meldestufe 3, das Fluttor Düsternstraße wurde geschlossen.

Für die Vorsorge betreibt die Landeshauptstadt die Starkregenauskunft Hannover: Ein interaktiver Viewer zeigt den maximalen Wasserstand bei einem einstündigen Starkregen für das gesamte Stadtgebiet. Die Region Hannover ergänzt eine Starkregenhinweiskarte für ein 50-jährliches Ereignis.

Hochwasser in Hannover

Das schwerste dokumentierte Hochwasser traf Hannover im Februar 1946: Die Leine erreichte mit 6,44 m ihren bis heute gültigen Rekordstand, rund 1.666 Hektar Stadtgebiet standen unter Wasser, drei Menschen starben; Ricklingen war bis zum Ricklinger Stadtweg überflutet. Seit 1954 schützt dort ein Deich die tiefliegenden Ortslagen.

Beim Weihnachtshochwasser 2023/24 stieg der Pegel Herrenhausen auf 5,81 m und überschritt Meldestufe 3: Straßen wurden gesperrt, Teile der Herrenhäuser Gärten überflutet, mehr als 25.000 Sandsäcke verbaut. Die amtlichen Überschwemmungsgebiete an Leine und Ihme zeigen, welche Flächen bei einem 100-jährlichen Hochwasser betroffen sind.

Nächstgelegenes im Landschaftsmodell geführtes Fließgewässer: Leine (unmittelbar im Ortsbereich; BKG DLM250).

Live-Wasserstand am nächstgelegenen Bundeswasserstraßen-Pegel Hann. List (Mittellandkanal, 4,0 km): 50 cm (Stand 04:00 Uhr; PEGELONLINE/WSV).

Überflutungsrisiko in Hannover

Überflutungsschwerpunkte sind die Leinemasch und die tiefliegenden Lagen in Ricklingen – historisch der am stärksten betroffene Stadtteil, gesichert durch Deich und Fluttor Düsternstraße – sowie bei Starkregen Unterführungen und Keller im gesamten Stadtgebiet. Die Starkregenauskunft macht die gefährdeten Senken adressgenau sichtbar; Kanalrückstau und Flusshochwasser bildet das Modell bewusst nicht ab.

Das Ortszentrum liegt auf rund 57 m ü. NN, die Reliefenergie im 2,5-km-Umkreis beträgt 39 m – flaches Gelände: Überflutungen entstehen hier vor allem durch Kanalnetz-Überstau und ausufernde Gewässer (BKG DGM200).

Nach Zensus 2022 umfasst Hannover rund 70.271 Gebäude mit Wohnraum und 302.018 Wohnungen – Substanz, die bei einer Starkregenlage gleichzeitig betroffen sein kann.

Zuständig für Stadtentwässerung und Überflutungsvorsorge: Stadtentwässerung Hannover.

Gefahrenkarte für Hannover ansehen

Starkregen-Auskunftssystem · straßenscharfe Überflutungstiefen

Klimatrends: Dürre, Sturm & Extremwetter

Niedersachsen erlebte mit dem Weihnachtshochwasser 2023/24 eines der ausgedehntesten Hochwasser seiner Geschichte – nach einem der nassesten Jahre seit Messbeginn. Zugleich nehmen sommerliche Starkregenlagen zu, und die Trockenjahre 2018 bis 2022 haben gezeigt, dass sich beide Extreme abwechseln können.

Amtliche Bemessungsdaten

Wie viel Regen ist in Hannover statistisch möglich?

Die Tabelle zeigt die Niederschlagshöhen (in mm) nach KOSTRA-DWD-2020, die in Hannover für verschiedene Dauerstufen und Wiederkehrzeiten statistisch zu erwarten sind. Ein Wert von 42,0 mm in einer Stunde (100-jährlich) entspricht 42,0 Litern pro Quadratmeter – weit mehr, als städtische Kanalnetze in dieser Zeit ableiten können.

Alle Werte in mm Niederschlagshöhe

KOSTRA-DWD-2020 Bemessungsniederschläge für Hannover in mm
Daueralle 1 Jahralle 10 Jahrealle 30 Jahrealle 50 Jahrealle 100 Jahre
15 min9,917,822,224,527,8
30 min12,322,127,630,434,5
1 h14,926,933,637,042,0
2 h17,932,440,444,550,5
6 h23,842,953,559,166,9
12 h28,351,163,870,479,8
1 d33,760,975,983,894,9

Quelle: KOSTRA-DWD-2020, Deutscher Wetterdienst – abgerufen über die openko.de REST-API. Bemessungsniederschläge für das KOSTRA-Rasterfeld (5 × 5 km) im Gebiet Hannover; örtliche Unsicherheit ±24 % (Dauerstufe 60 min, 100-jährlich) – wie Wiederkehrzeit und Toleranz zu lesen sind.

Gefahrenkarte · Überflutungsvorsorge

Starkregengefahrenkarte Hannover

Eine Starkregengefahrenkarte zeigt, wohin das Wasser bei einem Starkregenereignis fließt und wo es sich sammelt: simuliert aus Gelände, Bebauung und Kanalnetz für definierte Regenszenarien. Sie beantwortet damit die Frage, die die statistischen Bemessungswerte oben offenlassen – nicht wie viel Regen in Hannover fallen kann, sondern was er anrichtet: welche Straßen überflutet werden, wo sich Senken füllen und welche Gebäude gefährdet sind. Grundlage für die Erstellung sind die Leitfäden der Bundesländer zum kommunalen Starkregenrisikomanagement.

Was eine Gefahrenkarte leistet und wo ihre Grenzen liegen, erklärt der Starkregen-Ratgeber; die Datengrundlagen dieser Seite beschreibt die Methodik.

Klimatologische Einordnung · DWD-Referenzwerte

Niederschlagsklima in Hannover

655,9 mm

Mittlerer Jahresniederschlag

DWD-Station Hannover (Stadt) (im Ortsgebiet), 1991–2020

791 mm

Deutschlandmittel zum Vergleich

DWD, 1991–2020

4 → 3

Starkregentage pro Jahr (≥ 20 mm)

1961–1990 → 1991–2020, 1-km-Raster

Hannover erreicht im Mittel 655,9 mm Jahresniederschlag (DWD-Station Hannover (Stadt) (im Ortsgebiet), 1991–2020) und liegt damit deutlich unter dem Deutschlandmittel von 791 mm. Für das örtliche Starkregenrisiko ist die Jahressumme allerdings nur bedingt aussagekräftig: Maßgeblich sind kurze konvektive Ereignisse, die ein Vielfaches mittlerer Tagessummen erreichen können – in Hannover zuletzt dokumentiert am 10. Juli 2024 mit 40,4 mm in 1 h. Die Zahl der Starkregentage (Tagesniederschlag ≥ 20 mm) ist im Rasterfeld von im Mittel 4 Tagen pro Jahr (1961–1990) auf 3 Tage (1991–2020) zurückgegangen. Für die Bemessung maßgeblich bleiben die KOSTRA-Kennwerte oben.

Chronik

Historische Ereignisse in Hannover

  1. Februar 1946

    Jahrhunderthochwasser der Leine

    Rekordpegel 6,44 m, rund 1.666 Hektar überflutet, drei Tote – Ricklingen steht bis zum Ricklinger Stadtweg unter Wasser. Seit 1954 schützt ein Deich die Ortslagen.

  2. Juli 2017

    Starkregen und Leine-Hochwasser

    Rund 40 Feuerwehreinsätze, Dach-Teileinsturz in Wülfel, Sandsäcke in der Leinemasch; der Pegel erreicht Meldestufe 3, das Fluttor Düsternstraße wird geschlossen.

  3. Dezember 2023

    Weihnachtshochwasser

    Leine und Ihme mit Extremwerten: 5,81 m am Pegel Herrenhausen, gesperrte Straßen, überflutete Teile der Herrenhäuser Gärten, über 25.000 Sandsäcke.

Häufige Fragen

Starkregen & Hochwasser in Hannover – FAQ

Wie oft kommt es in Hannover zu Starkregen?+

Hannover kann Starkregen wie im Juli 2017 jederzeit treffen, als Regen und Leine-Hochwasser zusammenkamen. Die Starkregenauskunft der Stadt zeigt adressgenau, wo sich bei einem einstündigen Starkregen Wasser sammelt – von Senken bis zu gefährdeten Unterführungen. Mehr dazu im Ratgeber: Was heißt „100-jährliches Ereignis“?

Wie viel Regen fällt in Hannover bei einem 100-jährlichen Starkregen?+

Nach KOSTRA-DWD-2020 (Deutscher Wetterdienst) fallen in Hannover bei einem statistisch alle 100 Jahre zu erwartenden Starkregen rund 42,0 mm Niederschlag in einer Stunde und rund 94,9 mm innerhalb von 24 Stunden. Schon ein 10-jährliches Ereignis bringt etwa 26,9 mm in einer Stunde – mehr, als die meisten Kanalnetze ableiten können. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen-Warnstufen des DWD verstehen

Ist Hannover hochwassergefährdet?+

Ja. Der Rekord von 1946 (Pegel 6,44 m, rund 1.666 Hektar überflutet) definiert bis heute das Risiko; zuletzt überschritt das Weihnachtshochwasser 2023/24 mit 5,81 m die Meldestufe 3. Deich und Fluttor schützen Ricklingen, die Ihme trägt bei Hochwasser rund 90 % des Abflusses. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen vs. Hochwasser: der Unterschied

Wie kann ich mich in Hannover vor Überflutung schützen?+

Informieren Sie sich über die Starkregen-Gefahrenkarten für Ihr Grundstück, sichern Sie Kellerfenster, Rückstauklappen und tiefliegende Zugänge – und sorgen Sie dafür, dass Warnungen Sie rechtzeitig erreichen. Mit der kostenlosen Starkregen-App erhalten Sie ortsbezogene Frühwarnungen mit konkreten Verhaltenshinweisen für Hannover und Umgebung. Mehr dazu im Ratgeber: Haus vor Starkregen schützen: bauliche Vorsorge

Wo finde ich die Starkregengefahrenkarte für Hannover?+

Die Landeshauptstadt betreibt unter starkregen-hannover.de die Starkregenauskunft Hannover: Ein interaktiver Viewer zeigt den maximalen Wasserstand bei einem einstündigen Starkregen im gesamten Stadtgebiet. Für das Umland stellt die Region Hannover eine Starkregenhinweiskarte für ein 50-jährliches Ereignis bereit.

Wann gab es zuletzt Starkregen in Hannover?+

Der Ereigniskatalog CatRaRE des Deutschen Wetterdienstes verzeichnet das jüngste Starkregenereignis mit Niederschlagsschwerpunkt in Hannover am 10. Juli 2024 (40,4 mm in 1 h, außergewöhnlicher Starkregen). Insgesamt sind seit 2006 6 Ereignisse mit Schwerpunkt im Gemeindegebiet dokumentiert; das stärkste erreichte 53,1 mm in 1 h am 22. Juni 2017 (SRI 8).

Ratgeber · Vorsorge, Versicherung & Verhalten

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Das bundesweite Flutwarnsystem verbindet amtliche Warnungen, IoT-Sensorik und Echtzeit-Simulation zu einem gemeinsamen Lagebild für Kommunen, Landkreise und Unternehmen – Bürgerinnen und Bürger erhalten ortsgenaue Warnungen über die Starkregen-App.

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