Dresden liegt im Elbtalkessel und wurde im August 2002 doppelt getroffen: Erst verließ die Weißeritz ihr Bett und flutete die Innenstadt, Tage später erreichte die Elbe mit 940 cm ihren höchsten je gemessenen Stand. Heute gehört Dresden zu den Städten mit der ausgefeiltesten Hochwasser- und Starkregenvorsorge Deutschlands.
Keine Warnung vor Starkregen, Dauerregen oder Gewitter.
Stand 00:01 Uhr, Deutscher Wetterdienst
52,7 mm
Extremregen in 1 h
100-jährliches Ereignis
32,2 mm
Starkregen in 1 h
10-jährliches Ereignis
120,0 mm
Extremregen in 24 h
100-jährliches Ereignis
73,4 mm
Dauerregen in 24 h
10-jährliches Ereignis
Statistische Bemessungswerte nach KOSTRA-DWD-2020 für das Rasterfeld Dresden · örtliche Unsicherheit ±27 %
Ereigniskatalog · DWD CatRaRE W3 Eta v2026.01
Dokumentierte Starkregenereignisse in Dresden
Die Radarklimatologie des Deutschen Wetterdienstes erlaubt seit 2001 eine flächendeckende, gemeindescharfe Rekonstruktion von Starkregenereignissen. Für Dresden verzeichnet der Ereigniskatalog CatRaRE 24 Ereignisse mit Niederschlagsschwerpunkt im Gemeindegebiet (2002–2019); das stärkste erreichte 65,7 mm in 1 h am 7. August 2007 (SRI 8). Die Zuordnung gilt für die Rasterzelle des Niederschlagsmaximums – nicht für das gesamte Gemeindegebiet.
Am 18. August 2024 fielen im Zentrum und Südosten der Stadt bis zu 100 l/m² in wenigen Stunden – statistisch etwa ein 100-jährliches Ereignis. Die Feuerwehr zählte über 300 Einsätze, Keller, Straßen, Unterführungen und Tiefgaragen liefen voll, selbst im Rathauskeller stand das Wasser; das Stadtfest wurde unterbrochen und das Feuerwerk abgesagt.
Die Stadt simuliert Starkregen inzwischen flächendeckend: Die Starkregen-Gefahrenkarte im Themenstadtplan zeigt Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten bis zu einem Extremszenario, das sich an den Regenmengen des Ahrtal-Ereignisses 2021 orientiert. Gemeinsam mit der TU Dresden entsteht zudem ein 3D-Starkregenportal für Szenarien von 30 bis 50 l/m² pro Stunde.
Im August 2002 folgte die Vereinigte Weißeritz ihrem alten Flussbett mitten durch Löbtau, Plauen, Friedrichstadt und die Wilsdruffer Vorstadt bis zum Hauptbahnhof – mit rund 450 m³/s. Tage später erreichte die Elbe 940 cm, sachsenweit entstanden über acht Milliarden Euro Schaden. Auch 2006 (749 cm) und 2013 (876 cm, etwa ein 50-jährliches Ereignis) stieg die Elbe auf historische Stände; 2013 mussten unter anderem Laubegast, Gohlis und Cossebaude evakuiert werden.
Neben Elbe und Weißeritz führen auch die kleineren Stadtgewässer Risiken: Der Lockwitzbach entwässert rund 80 km² Einzugsgebiet, der im Stadtgebiet weitgehend unterirdische Kaitzbach flutete 2013 den Großen Garten, die Prießnitz entwässert den Dresdner Norden.
Nächstgelegenes im Landschaftsmodell geführtes Fließgewässer: Kaitzbach (unmittelbar im Ortsbereich; BKG DLM250).
Überflutungen entstehen in Dresden durch Kanalrückstau und wild abfließendes Wasser – besonders gefährdet sind Tiefgaragen und Unterführungen, wie das Ereignis vom August 2024 gezeigt hat. Für die Elbe sind Überflutungsflächen für Pegelstände von 400 bis 1.050 cm modelliert und im Themenstadtplan abrufbar.
Das Ortszentrum liegt auf rund 113 m ü. NN, die Reliefenergie im 2,5-km-Umkreis beträgt 35 m – flaches Gelände: Überflutungen entstehen hier vor allem durch Kanalnetz-Überstau und ausufernde Gewässer (BKG DGM200).
Nach Zensus 2022 umfasst Dresden rund 62.188 Gebäude mit Wohnraum und 319.553 Wohnungen – Substanz, die bei einer Starkregenlage gleichzeitig betroffen sein kann.
4 → 4 Starkregentage pro Jahr, 1961–1990 gegenüber 1991–2020
DWD-Referenzwerte, 1-km-Raster
Klimatrends: Dürre, Sturm & Extremwetter
Sachsen erlebt beide Extreme mit voller Wucht: die Jahrhunderthochwasser 2002 und 2013 ebenso wie lokale Starkregenereignisse wie im August 2024. Die Landestalsperrenverwaltung hat seit 2002 über drei Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert; die Stadt baut ihre Starkregenvorsorge mit Gefahrenkarten und dem 3D-Portal kontinuierlich aus.
Wie viel Regen ist in Dresden statistisch möglich?
Die Tabelle zeigt die Niederschlagshöhen (in mm) nach KOSTRA-DWD-2020, die in Dresden für verschiedene Dauerstufen und Wiederkehrzeiten statistisch zu erwarten sind. Ein Wert von 52,7 mm in einer Stunde (100-jährlich) entspricht 52,7 Litern pro Quadratmeter.
Alle Werte in mm Niederschlagshöhe
KOSTRA-DWD-2020 Bemessungsniederschläge für Dresden in mm
Dauer
alle 1 Jahr
alle 10 Jahre
alle 30 Jahre
alle 50 Jahre
alle 100 Jahre
15 min
10,5
21,3
27,2
30,3
34,7
30 min
13,1
26,5
33,9
37,7
43,3
1 h
15,9
32,2
41,3
46,0
52,7
2 h
19,2
38,8
49,8
55,4
63,5
6 h
25,5
51,6
66,1
73,6
84,4
12 h
30,4
61,6
78,9
87,8
100,7
1 d
36,3
73,4
94,0
104,7
120,0
Quelle: KOSTRA-DWD-2020, Deutscher Wetterdienst – abgerufen über die openko.de REST-API. Bemessungsniederschläge für das KOSTRA-Rasterfeld (5 × 5 km) im Gebiet Dresden; örtliche Unsicherheit ±27 % (Dauerstufe 60 min, 100-jährlich) – wie Wiederkehrzeit und Toleranz zu lesen sind.
Gefahrenkarte · Überflutungsvorsorge
Starkregengefahrenkarte Dresden
Eine Starkregengefahrenkarte zeigt, wohin das Wasser bei einem Starkregenereignis fließt und wo es sich sammelt: simuliert aus Gelände, Bebauung und Kanalnetz für definierte Regenszenarien. Sie beantwortet damit die Frage, die die statistischen Bemessungswerte oben offenlassen – nicht wie viel Regen in Dresden fallen kann, sondern was er anrichtet: welche Straßen überflutet werden, wo sich Senken füllen und welche Gebäude gefährdet sind. Grundlage für die Erstellung sind die Leitfäden der Bundesländer zum kommunalen Starkregenrisikomanagement.
Dresden erreicht im Mittel 592,5 mm Jahresniederschlag (DWD-Station Dresden (Mitte) (im Ortsgebiet), 1991–2020) und liegt damit deutlich unter dem Deutschlandmittel von 791 mm. Für das örtliche Starkregenrisiko ist die Jahressumme allerdings nur bedingt aussagekräftig: Maßgeblich sind kurze konvektive Ereignisse, die ein Vielfaches mittlerer Tagessummen erreichen können – in Dresden zuletzt dokumentiert am 28. August 2019 mit 43,8 mm in 1 h. Die Zahl der Starkregentage (Tagesniederschlag ≥ 20 mm) liegt in beiden Referenzperioden bei im Mittel 4 Tagen pro Jahr. Für die Bemessung maßgeblich bleiben die KOSTRA-Kennwerte oben.
Chronik
Historische Ereignisse in Dresden
August 2002
Jahrhunderthochwasser
Die Weißeritz verlässt ihr Bett und flutet die Innenstadt bis zum Hauptbahnhof; Tage später erreicht die Elbe mit 940 cm ihren höchsten je gemessenen Stand.
Juni 2013
Elbehochwasser
Die Elbe steigt auf 876 cm – der zweithöchste Stand seit 1845. Laubegast, Gohlis und Cossebaude werden evakuiert, der Kaitzbach flutet den Großen Garten.
August 2024
100-jährlicher Starkregen
Bis zu 100 l/m² in wenigen Stunden über Zentrum und Südosten: über 300 Feuerwehreinsätze, Wasser im Rathauskeller, das Stadtfest wird unterbrochen.
Für Kommunen · Sachsen
Was Dresden als Kommune leisten muss
Auch in Sachsen ist Starkregenvorsorge kommunale Pflicht – Gefährdungsanalyse, bauliche Vorsorge und Warnung sind eigene Bausteine. Vorsorge braucht Jahre, eine Warnung braucht Minuten: Den dritten Schritt kann Dresden zuerst gehen. Rechtsrahmen, Handlungspfad und Förderung.
Für Betriebe · Standortwarnung
Für Unternehmen in Dresden
Minuten Vorlauf entscheiden, ob Fahrzeuge, Ware und Anlagen rechtzeitig gesichert sind. Das Flutwarnsystem warnt den einzelnen Standort statt der ganzen Warnregion.
Häufige Fragen
Starkregen & Hochwasser in Dresden – FAQ
Wie oft kommt es in Dresden zu Starkregen?+
Ja – der 18. August 2024 brachte mit bis zu 100 l/m² in wenigen Stunden ein etwa 100-jährliches Ereignis mit über 300 Feuerwehreinsätzen mitten im Stadtgebiet. Dresden simuliert Starkregengefahren deshalb flächendeckend im Themenstadtplan, bis hin zu einem Extremszenario nach dem Vorbild des Ahrtal-Regens 2021. Mehr dazu im Ratgeber: Was heißt „100-jährliches Ereignis“?
Wie viel Regen fällt in Dresden bei einem 100-jährlichen Starkregen?+
Nach KOSTRA-DWD-2020 (Deutscher Wetterdienst) fallen in Dresden bei einem statistisch alle 100 Jahre zu erwartenden Starkregen rund 52,7 mm Niederschlag in einer Stunde und rund 120,0 mm innerhalb von 24 Stunden. Schon ein 10-jährliches Ereignis bringt etwa 32,2 mm in einer Stunde – mehr, als die meisten Kanalnetze ableiten können. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen-Warnstufen des DWD verstehen
Ist Dresden hochwassergefährdet?+
Dresden gehört zu den hochwassererfahrensten Städten Deutschlands: 2002 trafen Weißeritz und Elbe (940 cm) die Stadt doppelt, 2013 stieg die Elbe erneut auf 876 cm. Auch kleinere Gewässer wie Lockwitzbach, Kaitzbach und Prießnitz können bei Starkregen gefährlich anschwellen. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen vs. Hochwasser: der Unterschied
Wie kann ich mich in Dresden vor Überflutung schützen?+
Informieren Sie sich über die Starkregen-Gefahrenkarten für Ihr Grundstück, sichern Sie Kellerfenster, Rückstauklappen und tiefliegende Zugänge – und sorgen Sie dafür, dass Warnungen Sie rechtzeitig erreichen. Privatpersonen nutzen dafür die kostenlose Starkregen-App mit ortsbezogenen Frühwarnungen für Dresden und Umgebung. Kommunen, Landkreise und Unternehmen können ein Erstgespräch zum Flutwarnsystem anfragen. Mehr dazu im Ratgeber: Haus vor Starkregen schützen: bauliche Vorsorge
Wo finde ich die Starkregengefahrenkarte für Dresden?+
Die Stadt Dresden veröffentlicht ihre Starkregen-Gefahrenkarte im Themenstadtplan (dresden.de/stadtplan-starkregen): Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten bis zu einem Extremszenario, das sich am Ahrtal-Ereignis 2021 orientiert. Dort finden sich auch die Elbe-Hochwasserkarten für Pegelstände von 400 bis 1.050 cm samt Echtzeit-Pegeln.
Wann gab es zuletzt Starkregen in Dresden?+
Der Ereigniskatalog CatRaRE des Deutschen Wetterdienstes verzeichnet das jüngste Starkregenereignis mit Niederschlagsschwerpunkt in Dresden am 28. August 2019 (43,8 mm in 1 h, außergewöhnlicher Starkregen). Insgesamt sind seit 2002 24 Ereignisse mit Schwerpunkt im Gemeindegebiet dokumentiert; das stärkste erreichte 65,7 mm in 1 h am 7. August 2007 (SRI 8).
Wie kann Dresden ein Frühwarnsystem einführen?+
Kommunen, Landkreise und Unternehmen können das Flutwarnsystem in einem unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen. Wir besprechen Anbindung, Kosten und mögliche Fördermöglichkeiten für Dresden.