Die Barockstadt Fulda und ihr Landkreis liegen zwischen Rhön und Vogelsberg – Mittelgebirgslagen, in denen sich Gewitterzellen stauen und kleine Bäche binnen Minuten zu Sturzfluten anschwellen können. Der Landkreis Fulda betreibt seit 2024 ein flächendeckendes Starkregen-Frühalarmsystem, das sich bereits im Mai 2024 im Ernstfall bewährt hat.
Amtliche Warnlage für den Landkreis Fulda
Keine Warnung vor Starkregen, Dauerregen oder Gewitter.
Stand 23:36 Uhr, Deutscher Wetterdienst
43,3 mm
Extremregen in 1 h
100-jährliches Ereignis
27,6 mm
Starkregen in 1 h
10-jährliches Ereignis
103,2 mm
Extremregen in 24 h
100-jährliches Ereignis
65,7 mm
Dauerregen in 24 h
10-jährliches Ereignis
Statistische Bemessungswerte nach KOSTRA-DWD-2020 für das Rasterfeld Fulda · örtliche Unsicherheit ±25 %
Ereigniskatalog · DWD CatRaRE W3 Eta v2026.01
Dokumentierte Starkregenereignisse in Fulda
Die Radarklimatologie des Deutschen Wetterdienstes erlaubt seit 2001 eine flächendeckende, gemeindescharfe Rekonstruktion von Starkregenereignissen. Für Fulda verzeichnet der Ereigniskatalog CatRaRE 9 Ereignisse mit Niederschlagsschwerpunkt im Gemeindegebiet (2009–2024); das stärkste erreichte 62,9 mm in 2 h am 8. August 2009 (SRI 7). Die Zuordnung gilt für die Rasterzelle des Niederschlagsmaximums – nicht für das gesamte Gemeindegebiet.
Fulda 0,5 km vom Ortszentrum entfernt, das Gelände fällt 179 Meter.
Bei konvektivem Starkregen besteht erhöhtes Sturzflutpotenzial entlang von Hanglagen und Tiefpunkten. Überflutungen entstehen hier durch Kanalüberstau und ausufernde Gewässer gleichermaßen.
Starkregen ist im Raum Fulda vor allem ein Sommerphänomen: Gewitterzellen, die sich an den Hängen von Rhön und Vogelsberg aufbauen, entladen sich über den engen Tälern von Fulda, Haune und Lüder. Beim Starkregen im Mai 2024 bewährte sich das Frühalarmsystem des Landkreises erstmals im Realbetrieb – Einsatzkräfte und Bevölkerung wurden gewarnt, bevor die Lage kritisch wurde.
Gerade in Mittelgebirgslagen ist die Vorwarnzeit kurz: Zwischen Wolkenbruch im Oberlauf und Sturzflut im Ort liegen oft nur 30 bis 60 Minuten. IoT-Sensorik an Bächen, Durchlässen und Rückhaltebecken verschafft den entscheidenden Zeitvorsprung.
Die Fulda und ihre Zuflüsse führen vor allem im Winterhalbjahr Hochwasser, wenn Dauerregen auf gesättigte Böden oder Schneeschmelze trifft – wie beim Weihnachtshochwasser 2023/24, das weite Teile Hessens betraf. Die Auenlagen entlang von Fulda und Haune sind dann regelmäßig überflutet.
Im Landkreis schützen Rückhaltebecken und ein abgestuftes Melde- und Alarmsystem die Ortslagen. Das Starkregen-Frühalarmsystem verknüpft Pegel, Niederschlagssensoren und Wettermodelle zu einem laufenden Lagebild für Kommunen und Einsatzkräfte.
Nächstgelegenes im Landschaftsmodell geführtes Fließgewässer: Fulda (ca. 0,5 km vom Ortszentrum; BKG DLM250).
Überflutungen entstehen im Raum Fulda typischerweise an Engstellen: verklauste Durchlässe, überlastete Verdolungen und Straßen, die zu Fließwegen werden. Die Starkregen-Gefahrenkarten des Landkreises zeigen für jedes Grundstück, welche Fließwege und Einstauhöhen bei seltenen und extremen Ereignissen zu erwarten sind.
Das Ortszentrum liegt auf rund 258 m ü. NN, die Reliefenergie im 2,5-km-Umkreis beträgt 179 m – ausgeprägtes Gefälle: bei konvektivem Starkregen besteht erhöhtes Sturzflutpotenzial entlang von Hanglagen und Tiefpunkten (BKG DGM200).
Nach Zensus 2022 umfasst Fulda rund 13.096 Gebäude mit Wohnraum und 34.749 Wohnungen – Substanz, die bei einer Starkregenlage gleichzeitig betroffen sein kann.
4 → 3 Starkregentage pro Jahr, 1961–1990 gegenüber 1991–2020
DWD-Referenzwerte, 1-km-Raster
Klimatrends: Dürre, Sturm & Extremwetter
Auch in Osthessen verschieben sich die Extreme: Die Trockenjahre 2018 bis 2020 setzten Wäldern und Landwirtschaft in Rhön und Vogelsberg stark zu, während konvektive Starkregenlagen an Intensität gewinnen. Der Landkreis Fulda begegnet dem mit einem der modernsten kommunalen Frühalarmsysteme Deutschlands – gefördert durch das Hessische Digitalministerium.
Die Tabelle zeigt die Niederschlagshöhen (in mm) nach KOSTRA-DWD-2020, die in Fulda für verschiedene Dauerstufen und Wiederkehrzeiten statistisch zu erwarten sind. Ein Wert von 43,3 mm in einer Stunde (100-jährlich) entspricht 43,3 Litern pro Quadratmeter.
Alle Werte in mm Niederschlagshöhe
KOSTRA-DWD-2020 Bemessungsniederschläge für Fulda in mm
Dauer
alle 1 Jahr
alle 10 Jahre
alle 30 Jahre
alle 50 Jahre
alle 100 Jahre
15 min
9,8
17,9
22,5
24,8
28,2
30 min
12,2
22,5
28,1
31,1
35,3
1 h
15,0
27,6
34,6
38,2
43,3
2 h
18,3
33,5
42,0
46,4
52,7
6 h
24,6
45,3
56,7
62,6
71,1
12 h
29,7
54,6
68,3
75,5
85,7
1 d
35,8
65,7
82,3
90,9
103,2
Quelle: KOSTRA-DWD-2020, Deutscher Wetterdienst – abgerufen über die openko.de REST-API. Bemessungsniederschläge für das KOSTRA-Rasterfeld (5 × 5 km) im Gebiet Fulda; örtliche Unsicherheit ±25 % (Dauerstufe 60 min, 100-jährlich) – wie Wiederkehrzeit und Toleranz zu lesen sind.
Gefahrenkarte · Überflutungsvorsorge
Starkregengefahrenkarte Fulda
Eine Starkregengefahrenkarte zeigt, wohin das Wasser bei einem Starkregenereignis fließt und wo es sich sammelt: simuliert aus Gelände, Bebauung und Kanalnetz für definierte Regenszenarien. Sie beantwortet damit die Frage, die die statistischen Bemessungswerte oben offenlassen – nicht wie viel Regen in Fulda fallen kann, sondern was er anrichtet: welche Straßen überflutet werden, wo sich Senken füllen und welche Gebäude gefährdet sind. Grundlage für die Erstellung sind die Leitfäden der Bundesländer zum kommunalen Starkregenrisikomanagement.
Ob Fulda eine eigene Starkregengefahrenkarte veröffentlicht hat, erfahren Sie bei Ihrer Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Für Flusshochwasser führen die Länder eigene Hochwassergefahrenkarten (Link im Abschnitt Hochwasser).
Was eine Gefahrenkarte leistet und wo ihre Grenzen liegen, erklärt der Starkregen-Ratgeber; die Datengrundlagen dieser Seite beschreibt die Methodik.
Klimatologische Einordnung · DWD-Referenzwerte
Niederschlagsklima in Fulda
604,0 mm
Mittlerer Jahresniederschlag
DWD-Station Fulda-Horas (2 km entfernt), 1991–2020
791 mm
Deutschlandmittel zum Vergleich
DWD, 1991–2020
4 → 3
Starkregentage pro Jahr (≥ 20 mm)
1961–1990 → 1991–2020, 1-km-Raster
Fulda erreicht im Mittel 604,0 mm Jahresniederschlag (DWD-Station Fulda-Horas (2 km entfernt), 1991–2020) und liegt damit deutlich unter dem Deutschlandmittel von 791 mm. Für das örtliche Starkregenrisiko ist die Jahressumme allerdings nur bedingt aussagekräftig: Maßgeblich sind kurze konvektive Ereignisse, die ein Vielfaches mittlerer Tagessummen erreichen können – in Fulda zuletzt dokumentiert am 27. Juni 2024 mit 38,2 mm in 2 h. Die Zahl der Starkregentage (Tagesniederschlag ≥ 20 mm) ist im Rasterfeld von im Mittel 4 Tagen pro Jahr (1961–1990) auf 3 Tage (1991–2020) zurückgegangen. Für die Bemessung maßgeblich bleiben die KOSTRA-Kennwerte oben.
Chronik
Historische Ereignisse in Fulda
Dezember 2023
Weihnachtshochwasser
Anhaltender Dauerregen führt in ganz Hessen zu Hochwasser – auch Fulda und Haune treten über die Ufer.
Mai 2024
Starkregen im Landkreis
Das neue Starkregen-Frühalarmsystem des Landkreises Fulda bewährt sich erstmals im Ernstfall und warnt Einsatzkräfte frühzeitig.
Häufige Fragen
Starkregen & Hochwasser in Fulda – FAQ
Wie oft kommt es in Fulda zu Starkregen?+
Im Raum Fulda können sich an Rhön und Vogelsberg Gewitterzellen stauen, die lokal extreme Regenmengen bringen. Beim Starkregen im Mai 2024 hat das Frühalarmsystem des Landkreises Fulda die Einsatzkräfte frühzeitig gewarnt – ein bundesweites Vorzeigeprojekt. Mehr dazu im Ratgeber: Was heißt „100-jährliches Ereignis“?
Wie viel Regen fällt in Fulda bei einem 100-jährlichen Starkregen?+
Nach KOSTRA-DWD-2020 (Deutscher Wetterdienst) fallen in Fulda bei einem statistisch alle 100 Jahre zu erwartenden Starkregen rund 43,3 mm Niederschlag in einer Stunde und rund 103,2 mm innerhalb von 24 Stunden. Schon ein 10-jährliches Ereignis bringt etwa 27,6 mm in einer Stunde – mehr, als die meisten Kanalnetze ableiten können. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen-Warnstufen des DWD verstehen
Ist Fulda hochwassergefährdet?+
Ja, entlang von Fulda und Haune kommt es vor allem im Winterhalbjahr regelmäßig zu Hochwasser, zuletzt beim Weihnachtshochwasser 2023/24. Der Landkreis betreibt deshalb ein flächendeckendes Starkregen- und Hochwasser-Frühalarmsystem. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen vs. Hochwasser: der Unterschied
Wie kann ich mich in Fulda vor Überflutung schützen?+
Informieren Sie sich über die Starkregen-Gefahrenkarten für Ihr Grundstück, sichern Sie Kellerfenster, Rückstauklappen und tiefliegende Zugänge – und sorgen Sie dafür, dass Warnungen Sie rechtzeitig erreichen. Privatpersonen nutzen dafür die kostenlose Starkregen-App mit ortsbezogenen Frühwarnungen für Fulda und Umgebung. Kommunen, Landkreise und Unternehmen können ein Erstgespräch zum Flutwarnsystem anfragen. Mehr dazu im Ratgeber: Haus vor Starkregen schützen: bauliche Vorsorge
Der Ereigniskatalog CatRaRE des Deutschen Wetterdienstes verzeichnet das jüngste Starkregenereignis mit Niederschlagsschwerpunkt in Fulda am 27. Juni 2024 (38,2 mm in 2 h, intensiver Starkregen). Insgesamt sind seit 2009 9 Ereignisse mit Schwerpunkt im Gemeindegebiet dokumentiert; das stärkste erreichte 62,9 mm in 2 h am 8. August 2009 (SRI 7).
Wie kann Fulda ein Frühwarnsystem einführen?+
Kommunen, Landkreise und Unternehmen können das Flutwarnsystem in einem unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen. Wir besprechen Anbindung, Kosten und mögliche Fördermöglichkeiten für Fulda.
Fulda nutzt bereits das Starkregen Frühalarmsystem (FAS). Das bundesweite Flutwarnsystem ist ein eigenständiges, ergänzendes System: Es verbindet amtliche Warnungen, IoT-Sensorik und Echtzeit-Simulation zu einem Lagebild über die Gemeindegrenzen hinaus – Bürgerinnen und Bürger erhalten ortsgenaue Warnungen über die Starkregen-App.