Bremen liegt an der Tideweser mit rund vier Metern Tidenhub mitten im Stadtgebiet – etwa 86 % der Landesfläche gelten als potenziell hochwassergefährdet. Die Starkregenserie seit 2011 hat zusätzlich gezeigt, dass die Gefahr nicht nur von Sturmfluten und Flusshochwasser ausgeht, sondern auch direkt vom Himmel.
Keine Warnung vor Starkregen, Dauerregen oder Gewitter.
Stand 22:14 Uhr, Deutscher Wetterdienst
38,5 mm
Extremregen in 1 h
100-jährliches Ereignis
25,3 mm
Starkregen in 1 h
10-jährliches Ereignis
84,0 mm
Extremregen in 24 h
100-jährliches Ereignis
55,2 mm
Dauerregen in 24 h
10-jährliches Ereignis
Statistische Bemessungswerte nach KOSTRA-DWD-2020 für das Rasterfeld Bremen · örtliche Unsicherheit ±23 %
Ereigniskatalog · DWD CatRaRE W3 Eta v2026.01
Dokumentierte Starkregenereignisse in Bremen
Die Radarklimatologie des Deutschen Wetterdienstes erlaubt seit 2001 eine flächendeckende, gemeindescharfe Rekonstruktion von Starkregenereignissen. Für Bremen verzeichnet der Ereigniskatalog CatRaRE 19 Ereignisse mit Niederschlagsschwerpunkt im Gemeindegebiet (2002–2023); das stärkste erreichte 84,4 mm in 3 h am 31. Mai 2018 (SRI 10). Die Zuordnung gilt für die Rasterzelle des Niederschlagsmaximums – nicht für das gesamte Gemeindegebiet.
Am 4. und 18. August 2011 fielen bis zu 35 l/m² in der Stunde: Unterführungen und Straßen wurden überflutet, der Verkehr kam stundenlang fast zum Erliegen, es entstanden erhebliche Sachschäden. Der amtliche Abschlussbericht stellte fest, dass das Kanalnetz solche Extremereignisse nicht aufnehmen kann – und wurde zum Startpunkt des Vorsorgeprojekts KLAS.
Die Serie riss nicht ab: Im Juni 2023 fielen bis zu 60 l/m² – etwa ein Monatsniederschlag – mit Schwerpunkt im Bremer Westen (Gröpelingen, Walle, Findorff) und über 400 Feuerwehr-Notrufen; im September 2024 brachte eine Gewitterlage erneut rund 60 l/m² in einer Stunde und fast 400 Einsätze von Woltmershausen bis Oslebshausen.
Als Tidefluss steigt die Weser bei Sturmfluten im Mittel fünfmal pro Jahr über die Sturmflutgrenze; die Hochwasserschutzlinie der Stadtstrecke ist auf Wasserstände von 7,35 bis 7,45 m NHN bemessen, die Sperrwerke an Lesum und Ochtum riegeln seit 1979 die Nebenflüsse ab, und rund 80 Kilometer Deiche schützen das Stadtgebiet an der Unterweser.
Das Weihnachtshochwasser 2023/24 kam dagegen aus dem Binnenland: Wümme, Wörpe und Weser stiegen nach wochenlangem Regen, Straßen wurden überflutet, Familien mussten ihre Häuser verlassen – die Deiche hielten, wurden aber punktuell mit Sandsäcken gesichert. Das Land investiert nun 2,74 Millionen Euro zusätzlich in Deiche und Schöpfwerke.
Nächstgelegenes im Landschaftsmodell geführtes Fließgewässer: Bremer Stadtgraben (unmittelbar im Ortsbereich; BKG DLM250).
Überflutungsschwerpunkte bei Starkregen sind Bremens Unterführungen – 2023 etwa am Utbremer Ring und an der Holsteiner Straße – sowie Keller und Senken in den dicht bebauten Stadtteilen. Das Starkregen-Vorsorgeportal des Landes zeigt die Gefährdung grundstücksgenau; hanseWasser bietet dazu eine kostenlose Beratung an.
Das Ortszentrum liegt auf rund 8 m ü. NN, die Reliefenergie im 2,5-km-Umkreis beträgt 12 m – flaches Gelände: Überflutungen entstehen hier vor allem durch Kanalnetz-Überstau und ausufernde Gewässer (BKG DGM200).
Nach Zensus 2022 umfasst Bremen rund 122.273 Gebäude mit Wohnraum und 300.020 Wohnungen – Substanz, die bei einer Starkregenlage gleichzeitig betroffen sein kann.
Zuständig für Stadtentwässerung und Überflutungsvorsorge: hanseWasser Bremen.
4 → 3 Starkregentage pro Jahr, 1961–1990 gegenüber 1991–2020
DWD-Referenzwerte, 1-km-Raster
Klimatrends: Dürre, Sturm & Extremwetter
2023 war mit 1.076 l/m² das nasseste Jahr in Bremen seit Beginn der Messungen 1961 – gefolgt vom Weihnachtshochwasser. Der steigende Meeresspiegel lässt Sturmfluten an der Tideweser künftig höher auflaufen, während Starkregenlagen an Intensität gewinnen; Land und hanseWasser bauen Vorsorge und Schutzanlagen entsprechend aus.
Die Tabelle zeigt die Niederschlagshöhen (in mm) nach KOSTRA-DWD-2020, die in Bremen für verschiedene Dauerstufen und Wiederkehrzeiten statistisch zu erwarten sind. Ein Wert von 38,5 mm in einer Stunde (100-jährlich) entspricht 38,5 Litern pro Quadratmeter.
Alle Werte in mm Niederschlagshöhe
KOSTRA-DWD-2020 Bemessungsniederschläge für Bremen in mm
Dauer
alle 1 Jahr
alle 10 Jahre
alle 30 Jahre
alle 50 Jahre
alle 100 Jahre
15 min
10,2
17,4
21,4
23,5
26,5
30 min
12,3
21,1
26,0
28,5
32,1
1 h
14,7
25,3
31,1
34,1
38,5
2 h
17,6
30,1
37,0
40,6
45,8
6 h
23,0
39,4
48,5
53,2
60,0
12 h
27,2
46,6
57,4
63,0
71,0
1 d
32,2
55,2
67,9
74,5
84,0
Quelle: KOSTRA-DWD-2020, Deutscher Wetterdienst – abgerufen über die openko.de REST-API. Bemessungsniederschläge für das KOSTRA-Rasterfeld (5 × 5 km) im Gebiet Bremen; örtliche Unsicherheit ±23 % (Dauerstufe 60 min, 100-jährlich) – wie Wiederkehrzeit und Toleranz zu lesen sind.
Gefahrenkarte · Überflutungsvorsorge
Starkregengefahrenkarte Bremen
Eine Starkregengefahrenkarte zeigt, wohin das Wasser bei einem Starkregenereignis fließt und wo es sich sammelt: simuliert aus Gelände, Bebauung und Kanalnetz für definierte Regenszenarien. Sie beantwortet damit die Frage, die die statistischen Bemessungswerte oben offenlassen – nicht wie viel Regen in Bremen fallen kann, sondern was er anrichtet: welche Straßen überflutet werden, wo sich Senken füllen und welche Gebäude gefährdet sind. Grundlage für die Erstellung sind die Leitfäden der Bundesländer zum kommunalen Starkregenrisikomanagement.
Was eine Gefahrenkarte leistet und wo ihre Grenzen liegen, erklärt der Starkregen-Ratgeber; die Datengrundlagen dieser Seite beschreibt die Methodik.
Klimatologische Einordnung · DWD-Referenzwerte
Niederschlagsklima in Bremen
713,2 mm
Mittlerer Jahresniederschlag
DWD-Station Bremen (Warturmer Heerstraße) (2 km entfernt), 1991–2020
791 mm
Deutschlandmittel zum Vergleich
DWD, 1991–2020
4 → 3
Starkregentage pro Jahr (≥ 20 mm)
1961–1990 → 1991–2020, 1-km-Raster
Bremen erreicht im Mittel 713,2 mm Jahresniederschlag (DWD-Station Bremen (Warturmer Heerstraße) (2 km entfernt), 1991–2020) und liegt damit unter dem Deutschlandmittel von 791 mm. Für das örtliche Starkregenrisiko ist die Jahressumme allerdings nur bedingt aussagekräftig: Maßgeblich sind kurze konvektive Ereignisse, die ein Vielfaches mittlerer Tagessummen erreichen können – in Bremen zuletzt dokumentiert am 20. Juni 2023 mit 36,1 mm in 2 h. Die Zahl der Starkregentage (Tagesniederschlag ≥ 20 mm) ist im Rasterfeld von im Mittel 4 Tagen pro Jahr (1961–1990) auf 3 Tage (1991–2020) zurückgegangen. Für die Bemessung maßgeblich bleiben die KOSTRA-Kennwerte oben.
Chronik
Historische Ereignisse in Bremen
August 2011
Doppelter Extremregen
Am 4. und 18. August fallen bis zu 35 l/m² pro Stunde: Unterführungen und Straßen überflutet, der Verkehr bricht zusammen – der Abschlussbericht führt zum Vorsorgeprojekt KLAS.
Juni 2023
Monatsregen über dem Bremer Westen
Bis zu 60 l/m² treffen Gröpelingen, Walle und Findorff; über 400 Notrufe, die Unterführungen Utbremer Ring und Holsteiner Straße laufen voll.
Dezember 2023
Weihnachtshochwasser
Wümme, Wörpe und Weser steigen nach Dauerregen: überflutete Straßen, evakuierte Familien – die Deiche halten, punktuell gesichert mit Sandsäcken.
September 2024
60 Liter in einer Stunde
Fast 400 Feuerwehreinsätze von Woltmershausen über die Neustadt bis Oslebshausen – erneut laufen Keller und Straßen voll.
Für Kommunen · Bremen
Was Bremen als Kommune leisten muss
Auch in Bremen ist Starkregenvorsorge kommunale Pflicht – Gefährdungsanalyse, bauliche Vorsorge und Warnung sind eigene Bausteine. Vorsorge braucht Jahre, eine Warnung braucht Minuten: Den dritten Schritt kann Bremen zuerst gehen. Rechtsrahmen, Handlungspfad und Förderung.
Für Betriebe · Standortwarnung
Für Unternehmen in Bremen
Minuten Vorlauf entscheiden, ob Fahrzeuge, Ware und Anlagen rechtzeitig gesichert sind. Das Flutwarnsystem warnt den einzelnen Standort statt der ganzen Warnregion.
Häufige Fragen
Starkregen & Hochwasser in Bremen – FAQ
Wie oft kommt es in Bremen zu Starkregen?+
Ja, regelmäßig: 2011, 2023 und 2024 brachten jeweils Extremregen mit bis zu 60 l/m² in kurzer Zeit und hunderten Einsätzen. Der amtliche Befund seit 2011: Das Kanalnetz kann solche Ereignisse nicht aufnehmen – deshalb betreibt Bremen mit KLAS und dem Starkregen-Vorsorgeportal eine aktive Vorsorge. Mehr dazu im Ratgeber: Was heißt „100-jährliches Ereignis“?
Wie viel Regen fällt in Bremen bei einem 100-jährlichen Starkregen?+
Nach KOSTRA-DWD-2020 (Deutscher Wetterdienst) fallen in Bremen bei einem statistisch alle 100 Jahre zu erwartenden Starkregen rund 38,5 mm Niederschlag in einer Stunde und rund 84,0 mm innerhalb von 24 Stunden. Schon ein 10-jährliches Ereignis bringt etwa 25,3 mm in einer Stunde – mehr, als die meisten Kanalnetze ableiten können. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen-Warnstufen des DWD verstehen
Ist Bremen hochwassergefährdet?+
Ja, gleich dreifach: Sturmfluten laufen die Tideweser im Mittel fünfmal jährlich hinauf, Binnenhochwasser wie das Weihnachtshochwasser 2023/24 kommt über Wümme und Weser, und rund 86 % der Landesfläche gelten als potenziell hochwassergefährdet. Sperrwerke, 80 Kilometer Deiche und Schöpfwerke schützen die Stadt. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen vs. Hochwasser: der Unterschied
Wie kann ich mich in Bremen vor Überflutung schützen?+
Informieren Sie sich über die Starkregen-Gefahrenkarten für Ihr Grundstück, sichern Sie Kellerfenster, Rückstauklappen und tiefliegende Zugänge – und sorgen Sie dafür, dass Warnungen Sie rechtzeitig erreichen. Privatpersonen nutzen dafür die kostenlose Starkregen-App mit ortsbezogenen Frühwarnungen für Bremen und Umgebung. Kommunen, Landkreise und Unternehmen können ein Erstgespräch zum Flutwarnsystem anfragen. Mehr dazu im Ratgeber: Haus vor Starkregen schützen: bauliche Vorsorge
Wo finde ich die Starkregengefahrenkarte für Bremen?+
Das Land Bremen betreibt unter starkregen.bremen.de ein Starkregen-Vorsorgeportal mit interaktiver Gefahrenkarte und grundstücksgenauer Detailauskunft. hanseWasser ergänzt das Angebot um eine kostenlose Starkregen-Beratung für Eigentümer.
Wann gab es zuletzt Starkregen in Bremen?+
Der Ereigniskatalog CatRaRE des Deutschen Wetterdienstes verzeichnet das jüngste Starkregenereignis mit Niederschlagsschwerpunkt in Bremen am 20. Juni 2023 (36,1 mm in 2 h, intensiver Starkregen). Insgesamt sind seit 2002 19 Ereignisse mit Schwerpunkt im Gemeindegebiet dokumentiert; das stärkste erreichte 84,4 mm in 3 h am 31. Mai 2018 (SRI 10).
Wie kann Bremen ein Frühwarnsystem einführen?+
Kommunen, Landkreise und Unternehmen können das Flutwarnsystem in einem unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen. Wir besprechen Anbindung, Kosten und mögliche Fördermöglichkeiten für Bremen.