Starkregen, Hochwasser & Überflutung in Frankfurt am Main
Frankfurt am Main gehört zu den am stärksten versiegelten Großstädten Deutschlands – laut GDV-Studie sind rund 57 % der Siedlungsfläche versiegelt. Die Starkregenserie der Jahre 2023 und 2024 hat Bahnhöfe, Keller und ganze Stadtteile geflutet und die Verwundbarkeit der Bankenmetropole deutlich gemacht.
Keine Warnung vor Starkregen, Dauerregen oder Gewitter.
Stand 22:35 Uhr, Deutscher Wetterdienst
44,6 mm
Extremregen in 1 h
100-jährliches Ereignis
28,5 mm
Starkregen in 1 h
10-jährliches Ereignis
95,0 mm
Extremregen in 24 h
100-jährliches Ereignis
60,6 mm
Dauerregen in 24 h
10-jährliches Ereignis
Statistische Bemessungswerte nach KOSTRA-DWD-2020 für das Rasterfeld Frankfurt am Main · örtliche Unsicherheit ±24 %
Ereigniskatalog · DWD CatRaRE W3 Eta v2026.01
Dokumentierte Starkregenereignisse in Frankfurt am Main
Die Radarklimatologie des Deutschen Wetterdienstes erlaubt seit 2001 eine flächendeckende, gemeindescharfe Rekonstruktion von Starkregenereignissen. Für Frankfurt am Main verzeichnet der Ereigniskatalog CatRaRE 24 Ereignisse mit Niederschlagsschwerpunkt im Gemeindegebiet (2002–2021); das stärkste erreichte 59,0 mm in 1 h am 7. Juni 2018 (SRI 8). Die Zuordnung gilt für die Rasterzelle des Niederschlagsmaximums – nicht für das gesamte Gemeindegebiet.
Riedgraben 2,3 km vom Ortszentrum entfernt, das Gelände fällt 62 Meter.
Bewegtes Gelände: Abflusskonzentration in Senken, Unterführungen und Tallagen ist zu beachten. Überflutungen entstehen hier durch Kanalüberstau und ausufernde Gewässer gleichermaßen.
Wo Starkregen in Frankfurt am Main zum Problem wird.
So viel Regen ist in Frankfurt am Main statistisch möglich
1 Stunde, alle 10 Jahre
28,5 mm
1 Stunde, alle 100 Jahre
44,6 mm
24 Stunden, alle 10 Jahre
60,6 mm
24 Stunden, alle 100 Jahre
95,0 mm
KOSTRA-DWD-2020, Rasterfeld Frankfurt am Main, örtliche Unsicherheit ±24 %
Starkregen in Frankfurt am Main
Am 16. August 2023 brach Wasser in den Südbahnhof in Sachsenhausen ein, die Feuerwehr zählte rund 400 wetterbedingte Einsätze, am Flughafen wurden Dutzende Flüge gestrichen. Am 2. Mai 2024 rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus: über 680 Einsatzstellen, Bäche traten in Heddernheim und Nieder-Eschbach über die Ufer, Menschen wurden mit Booten gerettet, ein Supermarkt in Preungesheim lief mit rund 1.200 m³ Wasser voll.
Nur fünf Monate später, am 26. September 2024, fiel im Westend mit rund 60 l/m² binnen eines Tages etwa ein ganzer September-Monatsniederschlag: Überflutungen in Westend, Ginnheim, Dornbusch und Preungesheim, Wasser im Keller des Historischen Museums, der Fernbahnhof am Flughafen wurde zeitweise gesperrt.
Neben dem Main ist vor allem die Nidda ein amtliches Hochwasser-Risikogewässer: Das Land Hessen veröffentlicht für sie eigene Gefahren- und Risikokarten – einschließlich der kritischen Überlagerung von Main- und Nidda-Hochwasser im Mündungsbereich bei Höchst.
Die Starkregenereignisse 2024 haben zudem gezeigt, dass auch die kleinen Bäche im Frankfurter Norden binnen kürzester Zeit ausufern können – dort, wo dichte Bebauung auf schnelle Abflüsse trifft.
Nächstgelegenes im Landschaftsmodell geführtes Fließgewässer: Riedgraben (ca. 2,3 km vom Ortszentrum; BKG DLM250).
Besonders verwundbar sind Frankfurts unterirdische Verkehrsanlagen – der Wassereinbruch im Südbahnhof 2023 ist das prominenteste Beispiel – sowie Keller und Tiefgaragen in den wiederholt betroffenen Stadtteilen von Sachsenhausen über das Westend bis Preungesheim und zum Frankfurter Berg. Die städtische Starkregengefahrenkarte im Geoportal zeigt maximale Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeiten für das gesamte Stadtgebiet.
Das Ortszentrum liegt auf rund 103 m ü. NN, die Reliefenergie im 2,5-km-Umkreis beträgt 62 m – bewegtes Gelände: Abflusskonzentration in Senken, Unterführungen und Tallagen ist zu beachten (BKG DGM200).
Nach Zensus 2022 umfasst Frankfurt am Main rund 80.679 Gebäude mit Wohnraum und 402.826 Wohnungen – Substanz, die bei einer Starkregenlage gleichzeitig betroffen sein kann.
4 → 3 Starkregentage pro Jahr, 1961–1990 gegenüber 1991–2020
DWD-Referenzwerte, 1-km-Raster
Klimatrends: Dürre, Sturm & Extremwetter
Das Rhein-Main-Gebiet erwärmt sich stark, und die Serie 2023/2024 zeigt, wie sich Extremniederschläge häufen. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie stellt seit 2020 eine landesweite Starkregen-Hinweiskarte bereit; die hohe Versiegelung Frankfurts verschärft jeden Starkregen zusätzlich, weil kaum Wasser versickern kann.
Wie viel Regen ist in Frankfurt am Main statistisch möglich?
Die Tabelle zeigt die Niederschlagshöhen (in mm) nach KOSTRA-DWD-2020, die in Frankfurt am Main für verschiedene Dauerstufen und Wiederkehrzeiten statistisch zu erwarten sind. Ein Wert von 44,6 mm in einer Stunde (100-jährlich) entspricht 44,6 Litern pro Quadratmeter.
Alle Werte in mm Niederschlagshöhe
KOSTRA-DWD-2020 Bemessungsniederschläge für Frankfurt am Main in mm
Dauer
alle 1 Jahr
alle 10 Jahre
alle 30 Jahre
alle 50 Jahre
alle 100 Jahre
15 min
10,7
19,5
24,4
27,0
30,6
30 min
13,0
23,8
29,8
32,9
37,3
1 h
15,6
28,5
35,6
39,3
44,6
2 h
18,5
33,8
42,2
46,6
52,9
6 h
24,0
43,8
54,8
60,5
68,7
12 h
28,2
51,5
64,5
71,2
80,8
1 d
33,2
60,6
75,8
83,7
95,0
Quelle: KOSTRA-DWD-2020, Deutscher Wetterdienst – abgerufen über die openko.de REST-API. Bemessungsniederschläge für das KOSTRA-Rasterfeld (5 × 5 km) im Gebiet Frankfurt am Main; örtliche Unsicherheit ±24 % (Dauerstufe 60 min, 100-jährlich) – wie Wiederkehrzeit und Toleranz zu lesen sind.
Gefahrenkarte · Überflutungsvorsorge
Starkregengefahrenkarte Frankfurt am Main
Eine Starkregengefahrenkarte zeigt, wohin das Wasser bei einem Starkregenereignis fließt und wo es sich sammelt: simuliert aus Gelände, Bebauung und Kanalnetz für definierte Regenszenarien. Sie beantwortet damit die Frage, die die statistischen Bemessungswerte oben offenlassen – nicht wie viel Regen in Frankfurt am Main fallen kann, sondern was er anrichtet: welche Straßen überflutet werden, wo sich Senken füllen und welche Gebäude gefährdet sind. Grundlage für die Erstellung sind die Leitfäden der Bundesländer zum kommunalen Starkregenrisikomanagement.
Was eine Gefahrenkarte leistet und wo ihre Grenzen liegen, erklärt der Starkregen-Ratgeber; die Datengrundlagen dieser Seite beschreibt die Methodik.
Klimatologische Einordnung · DWD-Referenzwerte
Niederschlagsklima in Frankfurt am Main
637,5 mm
Mittlerer Jahresniederschlag
DWD-Station Frankfurt/Main-Westend (2 km entfernt), 1991–2020
791 mm
Deutschlandmittel zum Vergleich
DWD, 1991–2020
4 → 3
Starkregentage pro Jahr (≥ 20 mm)
1961–1990 → 1991–2020, 1-km-Raster
Frankfurt am Main erreicht im Mittel 637,5 mm Jahresniederschlag (DWD-Station Frankfurt/Main-Westend (2 km entfernt), 1991–2020) und liegt damit deutlich unter dem Deutschlandmittel von 791 mm. Für das örtliche Starkregenrisiko ist die Jahressumme allerdings nur bedingt aussagekräftig: Maßgeblich sind kurze konvektive Ereignisse, die ein Vielfaches mittlerer Tagessummen erreichen können – in Frankfurt am Main zuletzt dokumentiert am 29. Juni 2021 mit 40,6 mm in 3 h. Die Zahl der Starkregentage (Tagesniederschlag ≥ 20 mm) ist im Rasterfeld von im Mittel 4 Tagen pro Jahr (1961–1990) auf 3 Tage (1991–2020) zurückgegangen. Für die Bemessung maßgeblich bleiben die KOSTRA-Kennwerte oben.
Chronik
Historische Ereignisse in Frankfurt am Main
August 2023
Wassereinbruch im Südbahnhof
Rund 400 wetterbedingte Feuerwehreinsätze; der Südbahnhof in Sachsenhausen läuft voll, am Flughafen werden Dutzende Flüge gestrichen.
Mai 2024
Ausnahmezustand nach Starkregen
Über 680 Einsatzstellen und rund 550 Einsatzkräfte: Bäche in Heddernheim und Nieder-Eschbach treten über die Ufer, Menschen werden mit Booten gerettet.
September 2024
Ein Monatsniederschlag an einem Tag
Rund 60 l/m² binnen 24 Stunden am Westend: Überflutungen in mehreren Stadtteilen, Wasser im Historischen Museum, der Fernbahnhof am Flughafen wird zeitweise gesperrt.
Für Kommunen · Hessen
Was Frankfurt am Main als Kommune leisten muss
Auch in Hessen ist Starkregenvorsorge kommunale Pflicht – Gefährdungsanalyse, bauliche Vorsorge und Warnung sind eigene Bausteine. Vorsorge braucht Jahre, eine Warnung braucht Minuten: Den dritten Schritt kann Frankfurt am Main zuerst gehen. Rechtsrahmen, Handlungspfad und Förderung.
Für Betriebe · Standortwarnung
Für Unternehmen in Frankfurt am Main
Minuten Vorlauf entscheiden, ob Fahrzeuge, Ware und Anlagen rechtzeitig gesichert sind. Das Flutwarnsystem warnt den einzelnen Standort statt der ganzen Warnregion.
Häufige Fragen
Starkregen & Hochwasser in Frankfurt am Main – FAQ
Wie oft kommt es in Frankfurt am Main zu Starkregen?+
Frankfurt wurde 2023 und 2024 gleich dreimal schwer getroffen – vom gefluteten Südbahnhof über den Feuerwehr-Ausnahmezustand im Mai 2024 mit über 680 Einsatzstellen bis zum September-Ereignis mit einem Monatsniederschlag an einem Tag. Die hohe Versiegelung von rund 57 % der Siedlungsfläche verschärft jedes Ereignis. Mehr dazu im Ratgeber: Was heißt „100-jährliches Ereignis“?
Wie viel Regen fällt in Frankfurt am Main bei einem 100-jährlichen Starkregen?+
Nach KOSTRA-DWD-2020 (Deutscher Wetterdienst) fallen in Frankfurt am Main bei einem statistisch alle 100 Jahre zu erwartenden Starkregen rund 44,6 mm Niederschlag in einer Stunde und rund 95,0 mm innerhalb von 24 Stunden. Schon ein 10-jährliches Ereignis bringt etwa 28,5 mm in einer Stunde – mehr, als die meisten Kanalnetze ableiten können. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen-Warnstufen des DWD verstehen
Ist Frankfurt am Main hochwassergefährdet?+
Ja. Neben dem Main ist die Nidda ein amtliches Hochwasser-Risikogewässer mit eigenen Gefahrenkarten des Landes Hessen – kritisch ist insbesondere die Überlagerung beider Hochwasser bei Höchst. Dazu kommt das Starkregenrisiko, das auch gewässerferne Stadtteile trifft. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen vs. Hochwasser: der Unterschied
Wie kann ich mich in Frankfurt am Main vor Überflutung schützen?+
Informieren Sie sich über die Starkregen-Gefahrenkarten für Ihr Grundstück, sichern Sie Kellerfenster, Rückstauklappen und tiefliegende Zugänge – und sorgen Sie dafür, dass Warnungen Sie rechtzeitig erreichen. Privatpersonen nutzen dafür die kostenlose Starkregen-App mit ortsbezogenen Frühwarnungen für Frankfurt am Main und Umgebung. Kommunen, Landkreise und Unternehmen können ein Erstgespräch zum Flutwarnsystem anfragen. Mehr dazu im Ratgeber: Haus vor Starkregen schützen: bauliche Vorsorge
Wo finde ich die Starkregengefahrenkarte für Frankfurt am Main?+
Die Stadt Frankfurt stellt unter geoportal.frankfurt.de/starkregen eine interaktive Starkregengefahrenkarte mit maximalen Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeiten bereit. Landesweit ergänzt die Starkregen-Hinweiskarte Hessen des HLNUG die städtische Karte.
Wann gab es zuletzt Starkregen in Frankfurt am Main?+
Der Ereigniskatalog CatRaRE des Deutschen Wetterdienstes verzeichnet das jüngste Starkregenereignis mit Niederschlagsschwerpunkt in Frankfurt am Main am 29. Juni 2021 (40,6 mm in 3 h, intensiver Starkregen). Insgesamt sind seit 2002 24 Ereignisse mit Schwerpunkt im Gemeindegebiet dokumentiert; das stärkste erreichte 59,0 mm in 1 h am 7. Juni 2018 (SRI 8).
Wie kann Frankfurt am Main ein Frühwarnsystem einführen?+
Kommunen, Landkreise und Unternehmen können das Flutwarnsystem in einem unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen. Wir besprechen Anbindung, Kosten und mögliche Fördermöglichkeiten für Frankfurt am Main.
Sie sind Vertreter einer Kommune, eines Landkreises oder eines Unternehmens? Wir zeigen Ihnen Anbindung, Kosten und Fördermöglichkeiten für Frankfurt am Main.