Nürnberg wird von der Pegnitz durchflossen, deren Hochwasser der Wöhrder See von der Altstadt fernhält. Die eigentliche Bewährungsprobe kam jedoch aus der Luft: Die Rekord-Unwetter vom August 2023 und Juli 2026 haben die Frankenmetropole zu einem „Aktionsprogramm Starkregen“ samt eigener Gefahrenkarte veranlasst.
Keine Warnung vor Starkregen, Dauerregen oder Gewitter.
Stand 07:32 Uhr, Deutscher Wetterdienst
45,4 mm
Extremregen in 1 h
100-jährliches Ereignis
29,1 mm
Starkregen in 1 h
10-jährliches Ereignis
97,5 mm
Extremregen in 24 h
100-jährliches Ereignis
62,4 mm
Dauerregen in 24 h
10-jährliches Ereignis
Statistische Bemessungswerte nach KOSTRA-DWD-2020 für das Rasterfeld Nürnberg · örtliche Unsicherheit ±25 %
Ereigniskatalog · DWD CatRaRE W3 Eta v2026.01
Dokumentierte Starkregenereignisse in Nürnberg
Die Radarklimatologie des Deutschen Wetterdienstes erlaubt seit 2001 eine flächendeckende, gemeindescharfe Rekonstruktion von Starkregenereignissen. Für Nürnberg verzeichnet der Ereigniskatalog CatRaRE 21 Ereignisse mit Niederschlagsschwerpunkt im Gemeindegebiet (2002–2025); das stärkste erreichte 79,0 mm in 1 h am 26. Juli 2025 (SRI 10). Die Zuordnung gilt für die Rasterzelle des Niederschlagsmaximums – nicht für das gesamte Gemeindegebiet.
Am 17. August 2023 fiel über Nürnberg in zweieinhalb Stunden teils ein ganzer Monatsniederschlag – rund 47 l/m² allein in einer Stunde: über 1.750 Notrufe, mindestens 885 Feuerwehreinsätze, acht bis neun überschwemmte Unterführungen, Stromausfälle von der Innenstadt bis Gibitzenhof; der S-Bahn-Halt Steinbühl blieb tagelang gesperrt.
Der 14./15. Juli 2026 übertraf das noch: Rund 3.000 Notrufe in fünf Stunden gingen bei der Integrierten Leitstelle ein – so viele wie nie zuvor –, etwa 1.100 Einsätze in der Region, der Flughafen wurde zeitweise geschlossen. Die Stadt reagiert mit dem Aktionsprogramm Starkregen: Eine eigene Starkregengefahrenkarte ist in Erstellung, rund 60 Sensoren im Kanalnetz sollen die Lage künftig in Echtzeit zeigen.
Das klassische Flusshochwasser der Pegnitz wird seit den 1980er-Jahren durch den Wöhrder See gedämpft, der als Hochwasserschutz für die Altstadt dient; zuständig für die staatlichen Gewässer ist das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg.
Amtliche Überschwemmungsgebiete sind im Stadtgebiet für elf Gewässer festgesetzt – neben Pegnitz und Rednitz unter anderem für Gründlach, Goldbach und Fischbach. Sie zeigen, wo Flusshochwasser Flächen beansprucht, während Starkregen jede Senke im Stadtgebiet treffen kann.
Nächstgelegenes im Landschaftsmodell geführtes Fließgewässer: Pegnitz (unmittelbar im Ortsbereich; BKG DLM250).
Nürnbergs wunder Punkt sind die Unterführungen: Als tiefste Punkte der versiegelten Stadt sammeln sie das abfließende Regenwasser – im August 2023 standen bis zu neun gleichzeitig unter Wasser, im Juni 2026 mussten zwei Personen aus einem eingeschlossenen Pkw am Leipziger Platz gerettet werden. Bis die städtische Gefahrenkarte vorliegt, zeigt die bayerische Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut die Fließwege und Senken.
Das Ortszentrum liegt auf rund 298 m ü. NN, die Reliefenergie im 2,5-km-Umkreis beträgt 47 m – flaches Gelände: Überflutungen entstehen hier vor allem durch Kanalnetz-Überstau und ausufernde Gewässer (BKG DGM200).
Nach Zensus 2022 umfasst Nürnberg rund 73.805 Gebäude mit Wohnraum und 283.757 Wohnungen – Substanz, die bei einer Starkregenlage gleichzeitig betroffen sein kann.
3 → 4 Starkregentage pro Jahr, 1961–1990 gegenüber 1991–2020
DWD-Referenzwerte, 1-km-Raster
Klimatrends: Dürre, Sturm & Extremwetter
Bayern verzeichnet eine deutliche Zunahme konvektiver Extremlagen – Nürnberg hat mit 2023 und 2026 zwei Rekord-Unwetter binnen drei Jahren erlebt. Die Stadt investiert deshalb in Schwammstadt-Projekte, Kanalnetz-Sensorik und das Aktionsprogramm Starkregen.
Wie viel Regen ist in Nürnberg statistisch möglich?
Die Tabelle zeigt die Niederschlagshöhen (in mm) nach KOSTRA-DWD-2020, die in Nürnberg für verschiedene Dauerstufen und Wiederkehrzeiten statistisch zu erwarten sind. Ein Wert von 45,4 mm in einer Stunde (100-jährlich) entspricht 45,4 Litern pro Quadratmeter.
Alle Werte in mm Niederschlagshöhe
KOSTRA-DWD-2020 Bemessungsniederschläge für Nürnberg in mm
Dauer
alle 1 Jahr
alle 10 Jahre
alle 30 Jahre
alle 50 Jahre
alle 100 Jahre
15 min
10,6
19,2
24,0
26,4
30,0
30 min
13,2
24,0
29,9
33,0
37,5
1 h
16,1
29,1
36,3
40,1
45,4
2 h
19,2
34,7
43,3
47,8
54,2
6 h
24,9
45,2
56,4
62,3
70,6
12 h
29,3
53,2
66,4
73,2
83,0
1 d
34,4
62,4
77,9
86,0
97,5
Quelle: KOSTRA-DWD-2020, Deutscher Wetterdienst – abgerufen über die openko.de REST-API. Bemessungsniederschläge für das KOSTRA-Rasterfeld (5 × 5 km) im Gebiet Nürnberg; örtliche Unsicherheit ±25 % (Dauerstufe 60 min, 100-jährlich) – wie Wiederkehrzeit und Toleranz zu lesen sind.
Gefahrenkarte · Überflutungsvorsorge
Starkregengefahrenkarte Nürnberg
Eine Starkregengefahrenkarte zeigt, wohin das Wasser bei einem Starkregenereignis fließt und wo es sich sammelt: simuliert aus Gelände, Bebauung und Kanalnetz für definierte Regenszenarien. Sie beantwortet damit die Frage, die die statistischen Bemessungswerte oben offenlassen – nicht wie viel Regen in Nürnberg fallen kann, sondern was er anrichtet: welche Straßen überflutet werden, wo sich Senken füllen und welche Gebäude gefährdet sind. Grundlage für die Erstellung sind die Leitfäden der Bundesländer zum kommunalen Starkregenrisikomanagement.
Nürnberg erreicht im Mittel 616,7 mm Jahresniederschlag (DWD-Station Nürnberg (Germanisches Museum) (im Ortsgebiet), 1991–2020) und liegt damit deutlich unter dem Deutschlandmittel von 791 mm. Für das örtliche Starkregenrisiko ist die Jahressumme allerdings nur bedingt aussagekräftig: Maßgeblich sind kurze konvektive Ereignisse, die ein Vielfaches mittlerer Tagessummen erreichen können – in Nürnberg zuletzt dokumentiert am 24. September 2025 mit 40,2 mm in 9 h. Die Zahl der Starkregentage (Tagesniederschlag ≥ 20 mm) ist im Rasterfeld von im Mittel 3 Tagen pro Jahr (1961–1990) auf 4 Tage (1991–2020) gestiegen. Für die Bemessung maßgeblich bleiben die KOSTRA-Kennwerte oben.
Chronik
Historische Ereignisse in Nürnberg
August 2023
Ein Monatsregen in 2,5 Stunden
Rund 47 l/m² in einer Stunde: über 1.750 Notrufe, mindestens 885 Feuerwehreinsätze, bis zu neun überflutete Unterführungen, Stromausfälle – der S-Bahn-Halt Steinbühl bleibt tagelang gesperrt.
Juni 2026
Sturzflut am Leipziger Platz
Ein schweres Gewitter flutet die Unterführung am Leipziger Platz – die Feuerwehr rettet zwei Personen aus ihrem eingeschlossenen Auto.
Juli 2026
Rekord-Unwetter über Franken
Rund 3.000 Notrufe in fünf Stunden – so viele wie nie zuvor bei der Leitstelle –, etwa 1.100 Einsätze in der Region, der Flughafen Nürnberg wird zeitweise geschlossen.
Für Kommunen · Bayern
Was Nürnberg als Kommune leisten muss
Auch in Bayern ist Starkregenvorsorge kommunale Pflicht – Gefährdungsanalyse, bauliche Vorsorge und Warnung sind eigene Bausteine. Vorsorge braucht Jahre, eine Warnung braucht Minuten: Den dritten Schritt kann Nürnberg zuerst gehen. Rechtsrahmen, Handlungspfad und Förderung.
Für Betriebe · Standortwarnung
Für Unternehmen in Nürnberg
Minuten Vorlauf entscheiden, ob Fahrzeuge, Ware und Anlagen rechtzeitig gesichert sind. Das Flutwarnsystem warnt den einzelnen Standort statt der ganzen Warnregion.
Häufige Fragen
Starkregen & Hochwasser in Nürnberg – FAQ
Wie oft kommt es in Nürnberg zu Starkregen?+
Ja – Nürnberg hat 2023 und 2026 zwei Rekord-Unwetter erlebt: erst einen Monatsniederschlag in 2,5 Stunden mit 885 Feuerwehreinsätzen, dann 3.000 Notrufe in fünf Stunden. Kritisch sind vor allem die Unterführungen als tiefste Punkte der versiegelten Stadt. Mehr dazu im Ratgeber: Was heißt „100-jährliches Ereignis“?
Wie viel Regen fällt in Nürnberg bei einem 100-jährlichen Starkregen?+
Nach KOSTRA-DWD-2020 (Deutscher Wetterdienst) fallen in Nürnberg bei einem statistisch alle 100 Jahre zu erwartenden Starkregen rund 45,4 mm Niederschlag in einer Stunde und rund 97,5 mm innerhalb von 24 Stunden. Schon ein 10-jährliches Ereignis bringt etwa 29,1 mm in einer Stunde – mehr, als die meisten Kanalnetze ableiten können. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen-Warnstufen des DWD verstehen
Ist Nürnberg hochwassergefährdet?+
Das Pegnitz-Hochwasser wird durch den Wöhrder See gedämpft, der die Altstadt schützt. Amtliche Überschwemmungsgebiete sind für elf Gewässer im Stadtgebiet festgesetzt – das größere Alltagsrisiko ist jedoch Starkregen, der jede Senke treffen kann. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen vs. Hochwasser: der Unterschied
Wie kann ich mich in Nürnberg vor Überflutung schützen?+
Informieren Sie sich über die Starkregen-Gefahrenkarten für Ihr Grundstück, sichern Sie Kellerfenster, Rückstauklappen und tiefliegende Zugänge – und sorgen Sie dafür, dass Warnungen Sie rechtzeitig erreichen. Privatpersonen nutzen dafür die kostenlose Starkregen-App mit ortsbezogenen Frühwarnungen für Nürnberg und Umgebung. Kommunen, Landkreise und Unternehmen können ein Erstgespräch zum Flutwarnsystem anfragen. Mehr dazu im Ratgeber: Haus vor Starkregen schützen: bauliche Vorsorge
Wo finde ich die Starkregengefahrenkarte für Nürnberg?+
Eine eigene Starkregengefahrenkarte für Nürnberg ist Teil des städtischen Aktionsprogramms Starkregen und derzeit in Erstellung (Stand Juli 2026). Bis dahin zeigt die Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut des Bayerischen Landesamts für Umwelt Fließwege und Senken; die amtlichen Überschwemmungsgebiete an elf Gewässern veröffentlicht das Umweltamt unter nuernberg.de.
Wann gab es zuletzt Starkregen in Nürnberg?+
Der Ereigniskatalog CatRaRE des Deutschen Wetterdienstes verzeichnet das jüngste Starkregenereignis mit Niederschlagsschwerpunkt in Nürnberg am 24. September 2025 (40,2 mm in 9 h, Starkregen). Insgesamt sind seit 2002 21 Ereignisse mit Schwerpunkt im Gemeindegebiet dokumentiert; das stärkste erreichte 79,0 mm in 1 h am 26. Juli 2025 (SRI 10).
Wie kann Nürnberg ein Frühwarnsystem einführen?+
Kommunen, Landkreise und Unternehmen können das Flutwarnsystem in einem unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen. Wir besprechen Anbindung, Kosten und mögliche Fördermöglichkeiten für Nürnberg.