Hamburg ist durch seine Lage an der tidebeeinflussten Elbe doppelt exponiert: Sturmfluten von der Nordsee treffen auf eine tiefliegende Stadt, deren dicht bebaute Quartiere bei Starkregen zusätzlich über das Sielnetz entwässert werden müssen. Steigende Meeresspiegel und intensivere Niederschläge erhöhen beide Risiken.
Keine Warnung vor Starkregen, Dauerregen oder Gewitter.
Stand 22:04 Uhr, Deutscher Wetterdienst
35,7 mm
Extremregen in 1 h
100-jährliches Ereignis
23,0 mm
Starkregen in 1 h
10-jährliches Ereignis
91,3 mm
Extremregen in 24 h
100-jährliches Ereignis
58,8 mm
Dauerregen in 24 h
10-jährliches Ereignis
Statistische Bemessungswerte nach KOSTRA-DWD-2020 für das Rasterfeld Hamburg · örtliche Unsicherheit ±22 %
Ereigniskatalog · DWD CatRaRE W3 Eta v2026.01
Dokumentierte Starkregenereignisse in Hamburg
Die Radarklimatologie des Deutschen Wetterdienstes erlaubt seit 2001 eine flächendeckende, gemeindescharfe Rekonstruktion von Starkregenereignissen. Für Hamburg verzeichnet der Ereigniskatalog CatRaRE 44 Ereignisse mit Niederschlagsschwerpunkt im Gemeindegebiet (2001–2025); das stärkste erreichte 99,9 mm in 2 h am 7. Juni 2016 (SRI 11). Die Zuordnung gilt für die Rasterzelle des Niederschlagsmaximums – nicht für das gesamte Gemeindegebiet.
Starkregen trifft Hamburg meist mit Tiefdruckgebieten von der Nordsee oder mit sommerlichen Gewitterlagen. Zwar liegen die statistischen Bemessungswerte unter denen Süddeutschlands, doch die Konsequenzen sind erheblich: Große Teile der Stadt liegen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, und das historische Sielnetz kann extreme Regenmengen nicht überall schnell genug ableiten.
Bei intensiven Sommergewittern laufen regelmäßig Unterführungen, Souterrainwohnungen und tiefliegende Straßenzüge voll. Die Hansestadt investiert deshalb massiv in Rückhalteflächen, Gründächer und die RISA-Strategie (RegenInfraStrukturAnpassung).
Hochwasser hat in Hamburg zwei Gesichter: die Sturmflut von See und das Binnenhochwasser nach Starkregen. Die Sturmflut vom Februar 1962 mit 315 Todesopfern ist bis heute die schwerste Naturkatastrophe der Stadtgeschichte und führte zum Aufbau des modernen Deichschutzes. Orkantief Xaver trieb den Pegel St. Pauli im Dezember 2013 auf den höchsten Stand seit 1962 – die verbesserten Schutzanlagen hielten.
An Alster, Bille und ihren Kanälen kann anhaltender Regen die Wasserstände schnell steigen lassen. Da viele Flächen gepumpt entwässert werden, führt jeder Ausfall oder jede Überlastung unmittelbar zu Überflutungen.
Nächstgelegenes im Landschaftsmodell geführtes Fließgewässer: Alster (unmittelbar im Ortsbereich; BKG DLM250).
Überflutungen entstehen in Hamburg vor allem dort, wo Starkregen auf versiegelte, tiefliegende Flächen trifft: in Unterführungen, an Kanalisationstiefpunkten und in Souterrainlagen. Die Stadt veröffentlicht Starkregengefahrenkarten, die potenzielle Fließwege und Senken sichtbar machen – Grundlage für Objektschutz und Notfallplanung von Betrieben und Privathaushalten.
Das Ortszentrum liegt auf rund 6 m ü. NN, die Reliefenergie im 2,5-km-Umkreis beträgt 24 m – flaches Gelände: Überflutungen entstehen hier vor allem durch Kanalnetz-Überstau und ausufernde Gewässer (BKG DGM200).
Nach Zensus 2022 umfasst Hamburg rund 260.630 Gebäude mit Wohnraum und 985.422 Wohnungen – Substanz, die bei einer Starkregenlage gleichzeitig betroffen sein kann.
Zuständig für Stadtentwässerung und Überflutungsvorsorge: HAMBURG WASSER.
4 → 4 Starkregentage pro Jahr, 1961–1990 gegenüber 1991–2020
DWD-Referenzwerte, 1-km-Raster
Klimatrends: Dürre, Sturm & Extremwetter
Für Hamburg prognostizieren Klimamodelle intensivere Starkregenereignisse, mehr Winterniederschlag und einen steigenden Meeresspiegel, der Sturmfluten höher auflaufen lässt. Gleichzeitig zeigten die Sommer 2018 und 2022, dass auch der Norden von Trockenperioden und Niedrigwasser der Elbe betroffen ist. Orkantiefs wie Xaver (2013) oder Sabine (2020) verdeutlichen die anhaltende Sturmgefahr an der Küste.
Wie viel Regen ist in Hamburg statistisch möglich?
Die Tabelle zeigt die Niederschlagshöhen (in mm) nach KOSTRA-DWD-2020, die in Hamburg für verschiedene Dauerstufen und Wiederkehrzeiten statistisch zu erwarten sind. Ein Wert von 35,7 mm in einer Stunde (100-jährlich) entspricht 35,7 Litern pro Quadratmeter.
Alle Werte in mm Niederschlagshöhe
KOSTRA-DWD-2020 Bemessungsniederschläge für Hamburg in mm
Dauer
alle 1 Jahr
alle 10 Jahre
alle 30 Jahre
alle 50 Jahre
alle 100 Jahre
15 min
8,3
14,8
18,4
20,3
23,0
30 min
10,4
18,5
23,1
25,4
28,8
1 h
12,8
23,0
28,6
31,5
35,7
2 h
15,8
28,3
35,2
38,8
44,0
6 h
21,9
39,2
48,7
53,7
60,8
12 h
26,8
48,0
59,7
65,8
74,5
1 d
32,9
58,8
73,1
80,6
91,3
Quelle: KOSTRA-DWD-2020, Deutscher Wetterdienst – abgerufen über die openko.de REST-API. Bemessungsniederschläge für das KOSTRA-Rasterfeld (5 × 5 km) im Gebiet Hamburg; örtliche Unsicherheit ±22 % (Dauerstufe 60 min, 100-jährlich) – wie Wiederkehrzeit und Toleranz zu lesen sind.
Gefahrenkarte · Überflutungsvorsorge
Starkregengefahrenkarte Hamburg
Eine Starkregengefahrenkarte zeigt, wohin das Wasser bei einem Starkregenereignis fließt und wo es sich sammelt: simuliert aus Gelände, Bebauung und Kanalnetz für definierte Regenszenarien. Sie beantwortet damit die Frage, die die statistischen Bemessungswerte oben offenlassen – nicht wie viel Regen in Hamburg fallen kann, sondern was er anrichtet: welche Straßen überflutet werden, wo sich Senken füllen und welche Gebäude gefährdet sind. Grundlage für die Erstellung sind die Leitfäden der Bundesländer zum kommunalen Starkregenrisikomanagement.
Hamburg erreicht im Mittel 781,1 mm Jahresniederschlag (DWD-Station Hamburg-Botanischer Garten (im Ortsgebiet), 1991–2020) und liegt damit etwa im Bereich des Deutschlandmittels von 791 mm. Für das örtliche Starkregenrisiko ist die Jahressumme allerdings nur bedingt aussagekräftig: Maßgeblich sind kurze konvektive Ereignisse, die ein Vielfaches mittlerer Tagessummen erreichen können – in Hamburg zuletzt dokumentiert am 4. Oktober 2025 mit 45,4 mm in 12 h. Die Zahl der Starkregentage (Tagesniederschlag ≥ 20 mm) liegt in beiden Referenzperioden bei im Mittel 4 Tagen pro Jahr. Für die Bemessung maßgeblich bleiben die KOSTRA-Kennwerte oben.
Chronik
Historische Ereignisse in Hamburg
Februar 1962
Sturmflutkatastrophe
Die Nordsee-Sturmflut durchbricht die Deiche, 315 Menschen sterben – der Wendepunkt für den Hamburger Hochwasserschutz.
Dezember 2013
Orkantief Xaver
Der Pegel St. Pauli erreicht mit über 6 m NHN den höchsten Stand seit 1962 – die modernen Schutzanlagen bestehen den Härtetest.
Mai 2018
Jahrhundertregen im Hamburger Osten
An Himmelfahrt fallen über 60 l/m² in rund einer Stunde – statistisch seltener als 200-jährlich. In Bergedorf und Nettelnburg laufen Keller und Wohnräume voll; ein Feuerwehrmann stirbt im Einsatz.
August 2024
Starkregen von Wandsbek bis Bergedorf
Rund 900 Einsätze für Feuerwehr und THW im Hamburger Osten: In Bergedorf, Billstedt, Lohbrügge und Mümmelmannsberg steht das Wasser in Kellern bis zu 1,5 m hoch; ein Wohnhaus wird evakuiert.
Für Kommunen · Hamburg
Was Hamburg als Kommune leisten muss
Auch in Hamburg ist Starkregenvorsorge kommunale Pflicht – Gefährdungsanalyse, bauliche Vorsorge und Warnung sind eigene Bausteine. Vorsorge braucht Jahre, eine Warnung braucht Minuten: Den dritten Schritt kann Hamburg zuerst gehen. Rechtsrahmen, Handlungspfad und Förderung.
Für Betriebe · Standortwarnung
Für Unternehmen in Hamburg
Minuten Vorlauf entscheiden, ob Fahrzeuge, Ware und Anlagen rechtzeitig gesichert sind. Das Flutwarnsystem warnt den einzelnen Standort statt der ganzen Warnregion.
Häufige Fragen
Starkregen & Hochwasser in Hamburg – FAQ
Wie oft kommt es in Hamburg zu Starkregen?+
Hamburg erlebt Starkregen vor allem bei sommerlichen Gewitterlagen und herbstlichen Tiefdruckgebieten. Wegen der tiefen Lage vieler Stadtteile und des historischen Sielnetzes können schon mittlere Starkregenereignisse zu erheblichen Überflutungen führen. Mehr dazu im Ratgeber: Was heißt „100-jährliches Ereignis“?
Wie viel Regen fällt in Hamburg bei einem 100-jährlichen Starkregen?+
Nach KOSTRA-DWD-2020 (Deutscher Wetterdienst) fallen in Hamburg bei einem statistisch alle 100 Jahre zu erwartenden Starkregen rund 35,7 mm Niederschlag in einer Stunde und rund 91,3 mm innerhalb von 24 Stunden. Schon ein 10-jährliches Ereignis bringt etwa 23,0 mm in einer Stunde – mehr, als die meisten Kanalnetze ableiten können. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen-Warnstufen des DWD verstehen
Ist Hamburg hochwassergefährdet?+
Ja, in doppelter Hinsicht: Als Elbmetropole ist Hamburg sturmflutgefährdet und verfügt deshalb über eines der modernsten Deichsysteme Europas. Unabhängig davon können Starkregen und steigende Pegel an Alster und Bille Binnenhochwasser auslösen. Mehr dazu im Ratgeber: Starkregen vs. Hochwasser: der Unterschied
Wie kann ich mich in Hamburg vor Überflutung schützen?+
Informieren Sie sich über die Starkregen-Gefahrenkarten für Ihr Grundstück, sichern Sie Kellerfenster, Rückstauklappen und tiefliegende Zugänge – und sorgen Sie dafür, dass Warnungen Sie rechtzeitig erreichen. Privatpersonen nutzen dafür die kostenlose Starkregen-App mit ortsbezogenen Frühwarnungen für Hamburg und Umgebung. Kommunen, Landkreise und Unternehmen können ein Erstgespräch zum Flutwarnsystem anfragen. Mehr dazu im Ratgeber: Haus vor Starkregen schützen: bauliche Vorsorge
Wo finde ich die Starkregengefahrenkarte für Hamburg?+
Die Starkregengefahrenkarte der Stadt ist Teil des Wasseratlas im Geoportal Hamburg: Sie zeigt maximale Wasserstände und Fließgeschwindigkeiten für vier Regenszenarien. Grundstücksbezogene Empfehlungen liefert der Wegweiser Überflutungsvorsorge, den Live-Starkregenindex (SRI) veröffentlicht HAMBURG WASSER unter sri.hamburgwasser.de.
Wann gab es zuletzt Starkregen in Hamburg?+
Der Ereigniskatalog CatRaRE des Deutschen Wetterdienstes verzeichnet das jüngste Starkregenereignis mit Niederschlagsschwerpunkt in Hamburg am 4. Oktober 2025 (45,4 mm in 12 h, Starkregen). Insgesamt sind seit 2001 44 Ereignisse mit Schwerpunkt im Gemeindegebiet dokumentiert; das stärkste erreichte 99,9 mm in 2 h am 7. Juni 2016 (SRI 11).
Wie kann Hamburg ein Frühwarnsystem einführen?+
Kommunen, Landkreise und Unternehmen können das Flutwarnsystem in einem unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen. Wir besprechen Anbindung, Kosten und mögliche Fördermöglichkeiten für Hamburg.